Agrarstadt Linz

Änderung der Stadt-Struktur 1938

Der Baubeginn
Der Linzer Stadtplan von 1935 zeigt mit rot schraffierten Flächen jenes Areal, das von den Hermann Göring-Werken als Bauplatz für die Werksanlagen beansprucht wurde. Der Bereich östlich des Traunflusses war vor allem für die Kiesgewinnung vorgesehen. Die zukünftigen Betriebe sollten hochwassersicher sein, wofür das gesamte Gelände nivelliert werden musste.

Weikerlsee und Teil vom Pichlingersee entstand
Von der Donaulände beginnend in Richtung Westen erfolgten Aufschüttungen von vier bis fünf Metern, Gebäude die im Weg standen, wurden abgetragen. Durch die Kiesentnahme entstanden östlich der Traun der Weikerlsee und ein Teil des heutigen Pichlingersees, im Werksgelände das Hafenbecken.

Bau der Nibelungenbrücke 1938
Damalige Besiedelung von Linz
Zu beachten ist auf dem Stadtplan die damalige Besiedelung. Das Stadtgebiet reichte vom Bauernberg bis zum Posthof und vom Stadtfriedhof bis zum Bulgariplatz. Außerhalb dieses Gebietes gab es keine dichte Verbauung. Beiderseits der Franckstraße reichten soziale Wohnbauten bis zum Zacherlwirt. Aber auch in der Wimhölzel-, Union, Garnison-, Weißenwolff- und Bethlehemstraße wurden Sozialwohnbauten in den 30er Jahren errichtet. In Urfahr reichte die Besiedelung nach dem Brückenkopf bis Steg und Donau aufwärts bis zum Ende der Ottensheimer- und Rudolfstraße.

Wirtschaftliche Situation
Linz hatte 122.000 Einwohner, wirtschaftlich gesehen gab es einige Fabriken, z.B. die Schiffswerft, Franckfabrik, Tabakwerke, Gaswerk, Estermannfabrik, ESSEF und die Spinnerei. Im Jahre 1938 herrschte eine enorme Arbeitslosigkeit, daher war es vorerst leicht, ungelernte Arbeitskräfte für einfache Tätigkeiten zu bekommen. Trotzdem reichte das Potential nicht aus, es mussten von überall her Arbeiter für die Baufirmen angeheuert werden. Wegen der schlechten Verkehrsverbindungen wurde ein Teil der Beschäftigten in schnell errichteten Barackenlagern nahe dem Arbeitsplatz untergebracht. Parallel hierzu war es notwendig, die entsprechende Infrastruktur, Kanalisierung, Sanitäranlagen, Kantinen und Küchen, Sanitätsstellen und Bekleidungskammern zu schaffen.

Linz war bis 1937 eine Agrarstadt.
Für die Ansiedlung von Facharbeitern aus den österreichischen Industriegebieten Niederösterreich und Steiermark mussten als Anreiz Wohnmöglichkeiten mit besserem Standard errichtet werden (Spallerhof, Bindermichl). Zimmer, Küche, Bad und Keller wurden in Linz geboten.
St. Peter, Blick zur Donau